Henry Rider Haggard: Sie (1887)

Sir Henry Rider Haggard (im englischen Raum besser als “H. Rider Haggard” bekannt) kann als einer der Urväter des Abenteuerromans gelten und eindeutig als geistiger Vater moderner Abenteurer-Figuren wie beispielsweise Indiana Jones (der letztlich nur ein Nachfolger von Haggards Figur des Allan Quatermain ist). Seine zahlreichen Romane sind heute nicht mehr allesamt bekannt, jedoch ist der Ruhm eines Romans von Rider Haggard bis auf den heutigen Tag nicht verblasst, der Roman Sie (engl.: She; in Deutschland oft auch mit Untertiteln wie “Roman aus dem dunkelsten Afrika” oder “Fantastischer Abenteuerroman” vertrieben). Der Roman hat seit jeher prominente Bewunderer gehabt, wie etwa C.G. Jung, Henry Miller oder auch J.R.R. Tolkien, aber gleichzeitig auch erbitterte Kritiker, wie einen frühen Kommentatoren namens Augustus Moore, der den Erfolg von Sie als “ein schlechtes Zeichen für die englische Literatur und den englischen Geschmack” wertete. Auch in der literaturwissenschaftlichen Forschung wird der Roman äußerst kontrovers diskutiert, besonders in den Bereichen postkolonialer und feministischer Forschung. Ein Roman, der so die Meinungen spaltet hat zumindest eines ganz sicher: Sprengkraft – und dieser Sprengkraft möchte unser Artikel nachgehen. Weiterlesen

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Chick Lit Romane

Was sind eigentlich “Chick Lit”-Romane? Der Begriff taucht auch in deutschen Feuilletons in den letzten Jahren immer häufiger auf und man findet ihn auf Buchdeckeln aufgedruckt. Doch was verbirgt sich hinter diesem eigenartigen Begriff? Offensichtlich kommt er aus dem Englischen (bzw. Amerikanischen). Dort bedeutet “chick” zunächst einmal nichts anderes als “Mädchen” oder “junge Frau” – so wie etwa im Spanischen “chica”. Gleichzeitig schwingen in dem Begriff aber noch weitere Bedeutungen mit, etwa “selbstbewusstes Mädchen” oder (häufiger) “attraktives Mädchen”. Letzteres kann oftmals pejorativ verwendet werden, so wie etwa das deutsche “Puppe”, wenngleich oftmals behauptet wird, dass der Begriff “chick” wertneutral sei (siehe z.B. das – nicht immer völlig ernstzunehmende – urban dictionary). “Chick Lit” ist also Literatur (Lit) über junge, attraktive Frauen (Chicks). Dabei stehen diese Frauen nicht selten bereits mit beiden Beinen im Leben (es handelt sich bei “Chick Lit” also keineswegs um Bildungsromane im klassischen Sinne, die den Weg der Heldin in die Mitte der Gesellschaft kennzeichnen); “Chicks” dieser Romane haben nicht selten bereits ihre Ausbildung hinter sich und sind in ihrem ersten Job, gelegentlich sogar recht wohlverdienend (das ist Teil des Selbstbewusstseins, dass die “Chicks” der Romane ausmacht). Folglich stützt sich ein großer Teil der Plots auf eine quasi-realistische Lebensbeschreibung der jungen Frauen (wobei bestimmte Klischees wie Kauflust und ausgeprägtes Modebewusstsein entweder schlicht affirmiert oder gekonnt subversiert werden), sowie auf deren Liebes- und Sexualleben. Kontrastive Frauenfiguren sind daher eine innere Notwendigkeit dieser Literatur: Während eine “Chick”, meist eine enge Freundin der Heldin, ein sexuell zügelloses Dasein führt, ist die Heldin des Romans oftmals ganz traditionell auf der Suche nach der großen Liebe. Chick Lit erfüllt somit eine konservative und sozial stabilisierende Funktion, die letztlich die heterosexuelle, monogame Liebesehe (bei Gleichberechtigung beider Partner) als Idealbild moderner Lebensweise stilisiert; ein Gesellschaftsbild, das sich seit Jane Austen (für viele die Mutter aller Chick Lit-Romane) nur geringfügig weiterentwickelt hat… Dieser Artikel stellt einige Romane aus der “Chick Lit”-Kategorie vor. Weiterlesen

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Stendhal, Rot und Schwarz: Zusammenfassung

Rot und Schwarz (frz.: Le Rouge et le Noir) ist ein Roman, bei dem sich die Geister scheiden. Die einen halten ihn für den wichtigsten Beitrag zum Französischen Realismus, die anderen sehen darin einen langatmigen und melodramatischen Roman, der nicht zum Punkt kommt. Und vielleicht – ganz vielleicht – ist dieser Meinungsdualismus intendiert; denn auch der Titel – Rot und Schwarz – verweist auf Gegensätzliches (wenngleich nicht auf absolut Gegensätzliches, sonst hätte er vermutlich Schwarz und Weiß geheißen). Marie-Henri Beyle (1783-1842), wie der Autor Stendhal mit bürgerlichem Namen hieß, hat sich große Mühen gegeben, die Binärstrukturen im Roman auf allen Ebenen der Handlung, der Figuren, der Schauplätze und der Zeiten zu installieren. Der Held Julien Sorel kommt vom Land in die Stadt; er schwärmt für die militärischen Erfolge Napoleons (mit der Militärfarbe: Rot) und wird selber Priester (mit der Farbe des Klerus: Schwarz); er ist hin- und hergerissen zwischen größtmöglicher Aufrichtigkeit und vollkommener Verstellung; und auch rein formal ist der Roman in zwei fast gleich lange Hälften unterteilt, deren erste Juliens Liebesabenteuer mit der älteren Madame de Rênal beschreibt, während deren zweite Juliens Beziehung zu der jüngeren Mathilde de la Mole erzählt. Kurz: Rot und Schwarz von Stendhal ist ein Roman der Gegensätze. Wir fassen im folgenden die Handlung von Rot und Schwarz zusammen und gehen dann auf einige der zentralen Gegensätze des Romans ein. Weiterlesen

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Mo Yan: Nobelpreis für Literatur 2012 geht nach China

Am heutigen Donnerstag, den 11. Oktober, gab die Schwedische Akademie den Gewinner des Nobelpreises für Literatur 2012 bekannt: Mo Yan aus China. Der Name ist ein nom de plume und bedeutet übersetzt soviel wie “Sprachloser”. Sprachlos ist der chinesische Autor jedoch nun wirklich nicht zu nennen, denn das Oeuvre des 1955 geborenen Schriftstellers ist sehr umfangreich. Seit über 30 Jahren veröffentlicht Mo Yan Erzählungen, Kurzgeschichten und Romane, die – so die offizielle Begründung der Schwedischen Akademie für die Vergabe des Preises – “mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereinen.” Weiterlesen

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Deutscher Buchpreis 2012: Shortlist

Herbst ist die Jahreszeit der Buchpreise. Der Man Booker Price wird verliehen, der Nobelpreis wird verliehen und auch der Deutsche Buchpreis wird verliehen. Im vergangenen Jahr gewann der Debütant Eugen Ruge mit seinem erfolgreichen Roman In Zeiten des abnehmenden Lichts den Deutschen Buchpreis 2011. Im Jahr 2012 kämpfen erneut sechs Autorinnen und Autoren um den begehrten Preis, der von der Stiftung Börsenverein des Deutschen Buchhandels jedes Jahr zu Beginn der Buchmesse in Frankfurt a.M. vergeben wird. Wie bei den meisten Literaturpreisen (den Nobelpreis ausgenommen) ist auch der Deutsche Buchpreise kein Sack mit Gold: 25.000 Euro beträgt das Preisgeld für den Gewinner. Aber die Absatzzahlen des prämierten Romans gehen danach stets rapide in die Höhe, so dass der Buchpreis insgesamt eine auch finanziell lohnenswerte Einrichtung darstellt. Am 8.10.2012 wird er also verliehen, wir stellen aus diesem Anlass kurz und knapp die sechs Autorinnen und Autoren vor, die noch im Rennen sind. Weiterlesen

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Booker Prize 2012: Shortlist veröffentlicht

Über die Booker 2012 Longlist hatten wir bereits berichtet. Vor zwei Wochen nun, am 11.9.2012, wurde bekannt gegeben welche Titel der langen Booker-Liste es auf die kurze Liste, die Shortlist, geschafft haben. Insgesamt sind es sechs erlesene Bücher. Von diesen sechs wird ein Titel in drei Wochen, am Dienstag, den 16.10.2012 gekürt als der Gewinner des Booker Prize 2012. Wir sagen kurz und bündig, welche Titel auf der Shortlist gelandet sind und wer unserer Meinung nach gute Chancen auf den Sieg des Booker 2012 hat. Weiterlesen

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Thomas Hardy, Der Bürgermeister von Casterbridge

Der letzte Roman, den wir hier auf diesem Blog vorgestellt haben, war Balzacs Vater Goriot. Gleich nach einem derart deprimierenden Roman einen Roman von Thomas Hardy vorzustellen, ist vielleicht keine gute Idee: Denn Thomas Hardy steht in seinem Pessimismus und in der Grausamkeit seiner Schilderungen der Gesellschaft seiner Zeit dem französischen Romancier Balzac in nichts nach. Ebenso wie Balzacs Frankreich ist Hardys ‘Wessex’ bestimmt von der Selbstverliebtheit und Ich-Zentriertheit der menschlichen Natur. Auch bei Hardy sind durch und durch gute Figuren eine Seltenheit und es überwiegen die rücksichtslosen Karrieristen, die skrupellosen Emporkömmlinge und die verschlagenen Verbrecher. Hardys Roman Der Bürgermeister von Casterbridge (engl.: The Mayor of Casterbride) von 1886 ist hier keine Ausnahme und steht seinen – vielleicht bekannteren Romanen Jude the Obscure und Tess of the D’Urbervilles in nichts nach. Der Untertitel des Romans, “The Life and Death of a Man of Character” (“Leben und Tod eines Mannes von Charakter”), zeigt schon an, dass Hardy einen vollständigen Lebenszyklus schildert, der bis zum Tod eines Mannes reicht, von dem gesagt ist, dass er Charakter hat. Das Wort “Charakter” kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet dort soviel wie “Prägung” und (in einem weiteren Sinne) “Eigenart”. Der Roman schildert also die Eigenarten im Leben eines Mannes – Michael Henchard mit Namen – und beginnt bei dieser Schilderung gleich mit einem gewaltigen Paukenschlag: Besagter Henchard verkauft auf einem Dorfjahrmarkt in schwer alkoholisiertem Zustand seine Ehefrau und seine Tochter an einen Fremden! Die Katastrophe folgt stehenden Fußes… Weiterlesen

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Balzac: Vater Goriot – Inhalt und Interpretation

Zweifellos gehört Balzacs Roman Vater Goriot (im Original: Le Père Goriot) (1835) zu den großen Meisterwerken der Literatur des Realismus. Die schonungslos in ihrer Gier und Verkommenheit gezeichnete Pariser Gesellschaft der Restaurationsjahre (1814-1830; unterbrochen durch die sog. Herrschaft der Hundert Tage, in denen Napoléon Bonaparte aus dem Exil in Elba zurückkehrte, die Macht an sich riss und erst in Waterloo endgültig geschlagen wurde). Die Restauration sollte erst mit der Julirevolution von 1830 ihr Ende finden; das bedeutet, dass Balzac in Vater Goriot eine Gesellschaft schildert, die zur Zeit der Niederschrift des Romans (1834/5, also unter dem “Bürgerkönig” Louis-Philippe I.) bereits historisch zu nennen war. Der Roman spielt ausschließlich in Paris und wurde von Balzac in seiner Comédie humaine unter die “Scènes de la vie privée” eingeordnet, also die “Szenen des privaten Lebens”.

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Booker Prize 2012: Longlist veröffentlicht

Sommerzeit = Urlaubszeit = Lesezeit. Gut, dass jeden Sommer eine lange Liste an englischsprachigen Büchern veröffentlicht wird, die allesamt lesenswert sind, die sog. Longlist des Man Booker Prize (kurz: Booker Prize). Die Longlist des Booker Prize 2012 wurde Ende Juli veröffentlicht und enthält zwölf Titel. Am 11. September 2012 wird in einer Pressekonferenz die sog. Shortlist des Booker Prize 2012 bekanntgegeben, die noch sechs Titel umfasst. Ein Buch von diesen sechs Titeln wird dann am Dienstag, den 16. Oktober 2012 in London’s Guildhall den Booker Prize 2012 sowie das Preisgeld i.H.v. £50,000 verliehen bekommen. Auch wenn das Preisgeld nicht besonders üppig erscheint hat der Booker Preis eine verkaufsfördernde Wirkung, so dass er neben dem Nobelpreis für Literatur zum begehrtesten Literaturpreis der Welt gerechnet werden muss. Wir werfen einen kurzen Blick auf die Longlist 2012: Weiterlesen

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Thackeray, Barry Lyndon

Der Roman The Luck of Barry Lyndon des Viktorianischen Autoren William Makepeace Thackeray (1811-1863) ist heutigen Lesern wohl in erster Linie durch die Verfilmung von Stanley Kubrick (1975) bekannt, die im Folgejahr vier Oscars gewann. Wer sich dem literarischen Œuvre von W.M.Thackeray zuwendet, wird wohl zuerst zu seinem bekanntesten Roman, Vanity Fair, greifen, zumal seine anderen Romane, wie Pendennis (1848-50), Henry Esmond, Esq. (1852), The Newcomes (1853-55) oder The Virginians (1857-8) heute fast nur noch Fachleuten bekannt sind und in Deutschland gar nicht mehr aufgelegt werden. Doch eine Lektüre von W.M.Thackerays Barry Lyndon lohnt sich: Der Roman ist unbeschwert, vergnüglich, zuweilen sogar etwas kurzweilig und zeigt den Autoren von seiner komischsten Seite. Die Gattung des Schelmenromans übernimmt Thackeray in Barry Lyndon gekonnt und vermengt es auf originelle Weise mit der Gattung des historischen Romans. Wir stellen den Roman Barry Lyndon von Thackeray kurz vor und bieten eine Zusammenfassung (Summary) der Handlung. Weiterlesen

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