eBook-Reader und eBooks. Das andere Lesen

Gedrückte Bücher haben viel überlebt. Das Kino, das Fernsehen, den Computer und das Internet. Das Erscheinen eines neuen Mediums rief in der Regel sofort die konservativen Kritiker auf den Plan, die darin sowohl den Untergang des Abendlandes sahen, als auch gleichzeitig (paradoxerweise) ein verhältnismäßig schwaches Medium, das dem gedruckten Buch nicht den Rang ablaufen würde. Fakt ist: Papier ist geduldig. Das gilt auch heute noch. Doch jetzt gibt es seit einiger Zeit etwas auf dem Markt, das die Verlage zum Umdenken zu zwingen scheint: das ebook und die dazugehörigen Lesegeäte, die ebook-Reader. Das Ende des Abendlandes? Das Ende des Buchdrucks? Oder ein neuer, zum Scheitern verurteilter Herausforderer, der gegen das gedruckte Buch in den Ring steigt?

eBooks: Die Bibliothek für unterwegs

Die Versprechungen, die die ebook-Reader geben, klingen märchenhaft. Einige tausend Titel auf einem Gerät, das die Größe eines Taschenbuchs hat. Internetverbindung, um jederzeit und an jedem Ort das gerade gewüsnchte Buch oder die gerade gewünschte Zeitung herunterzuladen. Auf der Zugfahrt fällt einem ein, dass man gerne mal Unterm Birnbaum von Fontane lesen möchte?, kein Problem, das Buch kann man sich als ebook bei einem der gängigen Onlineshops wie Libri.de, abebooks oder Amazon kaufen, herunterladen und nach kurzer Wartezeit gleich an die Lektüre gehen. Möglicherweise wird der Einkauf auch direkt über den Verlag möglich oder über die Buchhandlung.



Sony eBook Reader

Aber vermutlich wird, ähnlich wie bei Musik schon üblich, vor allem erst mal eins passieren: hemmungsloses Raubkopieren. Die gesammelten Dramen von Shakespeare nehmen als ebook nur ein paar Megabyte ein, Freunde könnten sie sich per Email hin- und herschicken oder gleich gegenseitig auf den Reader senden. Oder im Uni-Seminar: da hat man blöderweise in der Referatssitzung sein Exemplar von Heideggers Sein und Zeit vergessen – kein Problem, denn das Gesamtwerk von Heidegger kann man mit ein paar Klicks auf seinen Reader herunterladen – über W-Lan von wirklich überall. Referenzwerke, in die man mal eben schnell reinblättern möchte, kann man ebenfalls immer mit sich führen, ohne gleich das 5kg-schwere Lexikon in seinen Rucksack quetschen zu müssen.

Der österreichische Schriftsteller Peter Glaser sprach jüngst in der Berliner Zeitung in diesem Zusammenhang von einem „neuen Aggregatzustand“ von Literatur, sowie einer Atomisierung der Werke. Warum einen ganzen Heine-Gedichtband auf den ebook-Reader holen (für, sagen wir, 10 Euro), wenn man nur mal schnell Heines „Das Sklavenschiff“ lesen möchte (und das einzelne Gedicht nur 20 Cent kostet)? Bei Musikalben hat der iStore von Apple es schon vorgemacht: Das große Geschäft geht gar nicht so sehr über ganze Alben, als über einzelne Songs, die bei Apple i.d.R. auch nur 0,99 EUR kosten. Und gleiches dürfte in Zukunft für Zeitungen gelten: warum eine ganze FAZ kaufen, wenn man eh nur am Sportteil interessiert ist, warum den ganzen Spiegel herunterladen, wenn einen dort nur das Feuilleton interessiert?

eBook, eine Revolution oder Sturm im Wasserglas?


Doch hier die gute Nachricht. So sicher es auch sein dürfte, dass die ebook-Welle den Buchhandel auf den Kopf stellen wird, so sicher ist es auch, dass sich am Inhalt der Bücher -zumindest langfristig- nichts ändern wird. Internetliteratur hat sich in den gut 15 Jahren des World Wide Web auch nie über den Status einer Nischenliteratur für Online-Enthusiasten hinausgekommen. Selbst Pioniere der ersten Stunde, wie z.B. Rainald Goetz, der mit seinem Online-Tagebuch Abfall für Alle viele Jahre vor Beginn des Blogging-Booms onlineliterarische Pfade beschritt, hat sich danach nicht wieder mit dem Medium Internet beschäftigt. Chat-Theater wie das von Tilman Sack sind Experimente geblieben: Experimente mit Charme, aber eben auch nicht mehr. Und auch Peter Glaser schreibt in dem bereits zitierten Artikel mit Hinblick auf eine Veränderung der Literatur selbst: „An dem, was Texte erzählen und Fotos oder Filme zeigen, wird sich erst einmal nicht viel ändern.“

[Lesen Sie hier weiter den zweiten Teil: „Formate von eBooks und technische Details der eBook-Reader.„]

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2 Antworten auf eBook-Reader und eBooks. Das andere Lesen

  1. Pingback: Formate von eBooks und technische Details der eBook-Reader >> eKronshage

  2. Kashmir sagt:

    Bin gerade auf einen ähnlichen Artikel bei Zeit Online gestoßen und neugierig geworden. Hab im Netz weiter gegoogelt und Ihre Seite gefunden: sehr ausführlich und unglaublich auf den Punkt. Ich werde Ihren Rat befolgen und mit dem Kauf mindestens noch 1 Jahr warten, so eilig habe ich es mit dem ebookreader nun auch wieder nicht.

    Hier ist übrigens der Artikel aus der Zeit:
    http://www.zeit.de/online/2009/32/das-buch-der-buecher

    Kashmir

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