Theodor Fontane und sein Roman Unterm Birnbaum werden bis heute gerne in Schulen gelesen. Nicht wenige Abiturient/innen mussten sich bereits mit Fontane beschäftigen. Meistens wird im Deutsch-Unterricht Effi Briest gelesen, aber manch ein Deutschlehrer lässt auch andere Romane von Fontane lesen, wie z.B. Frau Jenny Treibel oder Irrungen, Wirrungen oder eben auch: Unterm Birnbaum. In diesem Fontane-Artikel möchte ich den Versuch einer Interpretation von Unterm Birnbaum machen, der möglicherweise Abiturient/innen bei den Klausurfragen zu Fontane und seinem Roman Unterm Birnbaum helfen könnte. Los geht es mit einer einfachen und kurzen Inhaltsangabe. Weiter geht es mit dem Stellenwert des Genres “Kriminalroman” sowohl im Werk Fontanes als auch generell in der deutschsprachigen Literatur. Abschließend wird das Motiv des Birnbaums näher betrachtet werden.
1. Inhaltsangabe
Im (fiktiven) Ort Tschechin (der wohl ein reales Pendant im heutigen Letschin hat, einem kleinen Ort ca. 40 km nordöstlich von Berlin, kurz vor der polnischen Grenze; der in der Novelle häufig genannte Ort Küstrin gehört seit 1945 zu Polen) lebt der Wirt und Materialienhändler Abel Hradschek. Nicht nur, dass seine Geschäfte schlecht laufen, auch kostet ihn die Vornehmheit seiner Frau eine gehörige Stange Geld und er selbst hat zudem auch noch Spielschulden. Beim Graben in seinem eigenen Garten findet Hradschek unter dem Birnbaum die Leiche eines französischen Soldaten, die dort schon seit langer Zeit liegen muss.
Der polnische Handlungsreisende Szulski kündigt seinen Besuch an, um bei Hradschek Schulden einzutreiben, die dieser ohne Umstände bezahlt. In der gleichen Nacht beobachtet Hradscheks Nachbarin, die alte Jeschke, wie Hradschek in seinem Garten am Birnbaum gräbt. Am nächsten Morgen um 4 Uhr in der Früh, erscheint Szulski erst spät auf das Klopfen der Bediensteten, komplett vermummt, ergreift ungeschickt die Zügel seines Fuhrwerks und fährt im Sturm davon. Am anderen Tag erreicht das Dorf die Nachricht, dass ein Fuhrwerk vom Damm hinunter in die Oder gestürzt sei: Szulskis Wagen, von der Leiche des Polen jedoch fehlt jede Spur. Hradschek wird daraufhin in Untersuchungshaft genommen, weil er in Verdacht steht, mit dem Unfall Szulskis etwas zu tun zu haben.
Als Polizist Geelhaar von der alten Jeschke erfährt, was diese in der Nacht vor Szulskis Tod in Hradscheks Garten beobachtet hatte, wird öffentlich unter dem Birnbaum gegraben. Als die Leiche des Franzosen zu Tage kommt, lässt man den Verdacht gegen Hradschek fallen, da der Franzose dort schon lange liegt. Hradschek berichtet, er habe in der Nacht lediglich ein paar verdorbene Speisewaren vergraben wollen, dann aber die Leiche entdeckt und aus Furcht wieder zugegraben.
Hradschek wieder auf freiem Fuß wird fortan vom Pech verfolgt. Ein Knopf, wie ihn der Pole hatte, wird im Keller gefunden, die Jeschke erzählt herum, dass sie in der fraglichen Nacht Licht im Keller gesehen habe und schließlich stirbt nach kurzer Krankheit seine Frau. Es wird deutlich, dass Hradschek den Polen ermordet und bei sich im Keller verscharrt hat. Da sich die Verdachtsmomente häufen und alle seine Angestellten behaupten, dass es im Keller spuke, beschließt er, die Leiche auszugraben und in die Oder zu schmeißen.
Am nächsten Tag wird Hradschek jedoch tot in seinem Keller gefunden. Damit bei seiner Aktion im Keller kein Licht nach draußen dringe, das die Jeschke alarmieren könnte, hatte Hradschek, als er in den Keller gegangen war, einen Holzkeil genommen und ihn vor das Kellerfenster gesetzt. Dieser Keil hatte jedoch einige Fässer verstaut gehalten, die nun lose auf die Kellerluke gerollt waren und den grabenden Hradschek im Keller eingeschlossen hatten (nicht zufällig werden die Fässer, der Keil und die Kellerluke schon im zweiten Absatz des Romans erwähnt:
Säcke, Zitronen- und Apfelsinenkisten standen hier an der einen Wand entlang, während an der andern übereinandergeschichtete Fässer lagen, Ölfässer, deren stattliche Reihe nur durch eine zum Keller hinunterführende Falltür unterbrochen war. Ein sorglich vorgelegter Keil hielt nach rechts und links hin die Fässer in Ordnung, so daß die untere Reihe durch den Druck der obenaufliegenden nicht ins Rollen kommen konnte.
Die genaue Todesursache Hradscheks bleibt ungeklärt, auch wenn man sich einig ist, dass er „von der Hand Gottes getroffen“ worden sei, wie es im allerletzten Absatz des Romans heißt.

