Literarisches Feuilleton im Sommer 2011

Wir präsentieren eine kleine Auswahl der wichtigsten Artikel des Literarischen Feuilletons im Sommer 2011. Wie so oft, hat sich auch dieses Mal besonders das Feuilleton der Frankfurter Rundschau hervorgetan, insbesondere die Artikel von Judith von Sternburg und Sylvia Staude waren äußerst lesenswert.

Feuilleton der Frankfurter Rundschau

  • „Meine Spezialität ist mein Geist. Über Paul Valéry“ von Otto A. Böhmer (26.7.2011, siehe hier).
  • „Er schrieb sich die Welt nicht gut. Über William Thackeray“ von Sylvia Staude (18.7.2011, siehe hier). Es ist überhaupt beachtenswert, dass sich ein deutsches Feuilleton so ausgiebig einem englischen Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert widmet. Zusätzlich ist der Artikel noch äußerst unterhaltsam und aufschlussreich.
  • „Der bodenlose Brunnen. Über G.K.Chesterton“ von Judith von Sternburg (13.7.2011, siehe hier).
  • „Untergehen tun wir lange nicht. Über Ingeborg Bachmann“ von Judith von Sternburg (9.7.2011, hier).

Feuilleton der FAZ

Das Feuilleton der FAZ ist schon seit rund drei bis vier Jahren nicht mehr das, was es einmal war. Zumindest im Hinblick auf den Literaturteil. Hier daher vorwiegend einige Negativbeispiele für feuilletonistische Arbeit:

  • Felicitas von Lovenbergs Artikel „Kommt alle zu mir auf die Couch“ über Charlotte Roches neuen Roman Schoßgebete, der weitestgehend kritiklos die Reife dieses „detailfreudigen und unverkrampften“ Romans bewundert. 8.8.2011 [Link zum Artikel]
  • Auch negativ muss gewertet werden, dass das Feuilleton der FAZ derzeit scheinbar auf der Suche nach dem ist, was sie einen Schlüsselroman nennen. Denn dieser Begriff geisterte gleich durch mehrere Buchrezensionen in diesem Sommer, wie z.B. „Schlüsselroman? Notoperation Walküre“ von Eleonore Büning (9.8.2011, siehe hier) oder auch „Ähnlichkeiten mit Lebenden sind beabsichtigt“, ein Artikel von Anja Hirsch über Annette Pehnts „vergnüglichen Schlüsselroman über eine Freiburger Hochschule“ (22.7.2011, siehe hier) oder auch „Schlüsselroman von Albert Ostermaier: Der rockende Abt und die falsche Ärztin“ von Julia Bähr (20.05.2011, siehe hier).
  • Die kritiklose Haltung zu Martin Walser stört ebenfalls schon seit Jahren an der FAZ. Das ist in der Besprechung zu seinem neuesten Roman nicht anders, wie man am Artikel „Die letzte Wende“ von Volker Weidermann erkennen kann (4.7.2011, siehe hier), der mit Superlativen nur um sich schmeißt. Walser sei „der deutsche Schriftsteller schlechthin“ und habe mit seinem Roman Muttersohn einen „Glaubensroman geschrieben, einen Roman gegen die Vernunft“, der gekennzeichnet sei durch „Tempo, Farbigkeit und Licht.“
  • Positiv hervorzuheben ist hingegen der Artikel „Alain Badious Lob der Liebe. Die Bühne der Zwei“ von Cord Riechelmann (5.7.2011, siehe hier)

Feuilleton der ZEIT

Das Feuilleton der ZEIT ist eine Wundertüte. Es gibt viel Interessantes darin, aber auch vieles, das man so wohl eher im SPIEGEL oder auch in der GALA vermuten würde. Besonders die Reihe „Videolesung“ in der Onlineausgabe der ZEIT ist wirklich furchtbar. Nach einem kurzen effekthascherischen Intro lesen zeitgenössische Schrifsteller in kontrastreicher schwarz-weiß-Ästhetik (sie tragen alle dunkle Hemden, die vor dem weißen Hintergrund besonders gut zur Geltung kommen sollen…) gelangweilt aus ihren Büchern… das muss nicht sein. Hier jedoch ein paar positive Beispiele aus dem ZEIT-Feuilleton:

  • „Jugend ohne Sinn und Zweck. Über László Végel“ von Martin Brinkmann (5.8.2011, siehe hier) – Dieser Bericht macht neugierig auf die Lektüre von Végels Roman Bekenntnisse eines Zuhälters (1967).
  • „Der beste Leser. Über den amerikanischen Literaturkritiker James Wood“ von Ijoma Mangold (30.7.2011, siehe hier). Interessant, dass sich einer der interessantesten Artikel im Feuilleton der ZEIT mit einem Redakteur eines anderen Feuilletons beschäftigt, genauer gesagt mit dessen Buch Die Kunst der Erzählens.
  • „Sehnsucht entziffern, Sommer beschwören. Über Hans Ulrich Gumbrecht“ von Steffen Martus (22.6.2011, siehe hier).

Quellennachweis: „Feuilleton“ by 7an (Jan Söfjer) via flickr.com [Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0]

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2 Antworten auf Literarisches Feuilleton im Sommer 2011

  1. Jan Söfjer sagt:

    Freut mich, dass das Bild gefällt. Das Männchen in den Creaticve Commons sieht übrigens vor, meinen Namen bei dem Bild zu nennen und auf die Ursprungslizenz zu verweisen. Grüße

  2. ekron sagt:

    Hallo Jan, ich habe zusätzlich zu dem auf flickr.com angegebenen Namen nun auch noch Deinen vollen Namen zu dem Quellennachweis am Ende des Artikels hinzugefügt. Wenn über das Bild zusätzlich noch der Bezug zur FR hergestellt wird (weil es nach einem Arbeitstag bei der FR entstanden ist, wie Du schreibst) – umso passender! Viele Grüße!

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