Deutscher Buchpreis 2011 verliehen an Eugen Ruge: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“

Die Entscheidung der Jury wird für viele nicht überraschend gewesen sein. Am 10. Oktober 2011 um 18:50 Uhr wurde bekannt gegeben, dass Eugen Ruge den Deutschen Buchpreis 2011 erhalten hat, für seinen Roman In Zeiten des abnehmenden Lichts, der den Untertitel „Roman einer Familie“ trägt. Damit zeichnete der Börsenverein den besten Roman des Jahres in deutscher Sprache aus. Ruge war der Debütant auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2011 und setzte sich gegen Marlene Streeruwitz und Sibylle Lewitscharoff durch, die ebenfalls als aussichtsreiche Kandidatinnen galten. Auch Jan Brandts Roman Gegen die Welt, der beim DuMont-Verlag erschienen ist, rechneten einige Kritiker hohe Siegchancen zu. Doch die DDR-Familiensaga von Ruge machte das Rennen. Sein Roman ist bei Rowohl erschienen.

Die Jury des Buchpreises lobte Ruges Roman in höchsten Tönen und schwärmte, wie es ihm gelinge, „die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen.“ (Quelle: deutscher-buchpreis.de)

Nach Uwe Tellkamps Roman Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land (Suhrkamp, 2008), der das Dresden der Vorwendezeit beschreibt, ist Ruges Roman also der zweite DDR-Roman, der innerhalb von drei Jahren den Deutschen Buchpreis erhält.

Dass die Vergabe des Deutschen Buchpreises an Ruge nicht allzu überraschend kam, zeigten bereits die positiven Kritiken in der deutschsprachigen Presse in den vergangenen Wochen. Vor allem der Vergleich mit Thomas Manns nobelpreisprämiertem Roman Buddenbrooks wurde häufig bemüht; etwa in Iris Radischs Rezension in DIE ZEIT, in Ronald Pohls Rezension in derStandard oder in Armgard Seegers Rezension im Hamburger Abendblatt, um nur einige wenige zu nennen.


Bemerkenswert an allen derartigen Familienromanen ist, dass sie immer einen gewissen Verfall stabiler familiärer Strukturen beschreiben. So trägt Thomas Manns Roman den Untertitel „Verfall einer Familie“, Tellkamps Roman spricht im Untertitel davon, die Geschichte spiele in einem „versunkenen Land“ und Ruge sagt gleich im Titel seines Romans, dass es hierbei um eine Abnahme geht, von Licht, aber auch von Sicherheit. Dass das Thema Familienverfall mit dem Verfall des sozialistischen Staates gut harmoniert, versteht sich von selbst. So bemerkte das literaturcafe.de über Twitter bereits: „Sowas gibt immer einen Preis“ (Quelle: Twitter).

Ruges Roman ist 432 Seiten stark. Wer ihn sich lieber anhören statt durchlesen möchte, der kann bereits jetzt eine Hörbuch-Fassung von In Zeiten des abnehmenden Lichts erwerben. Auf 10 CD liest Ulrich Noethen den Roman vor, siehe hier: In Zeiten des abnehmenden Lichts (10 CDs).

Bildnachweis: Logo Deutscher Buchpreis 2011, mit freundlicher Genehmigung der Presseabteilung des Dt. Buchpreises. Siehe hier.

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