Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: Heinrich Detering ist neuer Präsident

Schon seit Tagen war bekannt, dass das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung am Freitag, den 28.10.2011 eine Präsidiumswahl durchführen würde, bei der Klaus Reichert, 73-jähriger Anglist und Übersetzer aus Fulda, der das Amt seit 2002 innehatte, sich nicht mehr zu Wahl stellen würde. Dass es mit Heinrich Detering, 51 Jahre alt und Germanistik-Professor in Göttingen, dann jemand geworden ist, der jünger ist, als die Akademie selbst (die an Goethes 200. Geburtstag gegründet wurde, also am 28.08.1949) dürfte den ein oder anderen letztlich doch überrascht haben.

Studierenden der Literaturwissenschaft ist Detering vor allem durch seine, 1996 gemeinsam mit Heinz-Ludwig Arnold herausgegebene Einführung Grundzüge der Literaturwissenschaft bekannt sein, die 2011 in 9. Auflage erschienen ist. Aber auch seine wissenschaftlichen Monographien zu Thomas Mann, H.C. Andersen, Wilhelm Raabe, Friedrich Nietzsche, Bertolt Brecht und Bob Dylan untermauern Deterings Ruf eines Wissenschaftlers der ersten Reihe. Auch die große Zahl an nationalen und internationalen Preisen bezeugen das große Renomee des neuen Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung – von diesen Preisen sei hier nur der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis erwähnt, der ihm 2009 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verliehen wurde, weil Detering, wie es in der DFG-Begründung hieß, „weit über die Fachwelt hinaus die kulturgeschichtlichen Diskussionen der vergangenen Jahre bereicherte.“ (Quelle: dfg.de)

Rund um Detering, der bereits in den Jahren zuvor zusammen mit Ilma Rakusa und Peter Hamm das Amt des Vizepräsidenten bekleidete, wurde auch der Rest des insgesamt 10-köpfigen Präsidiums neu gewählt. Neue Vizepräsidenten wurden die Urenkelin von Richard Wagner, Nike Wagner, der schwedische Übersetzer und Schriftsteller Aris Fioretos sowie der Historiker und Literaturkritiker Gustav Seibt. In den Beirat (der bisher aus Wilhelm Genazino, Per Øhrgaard, Joachim Kalka, Werner Spies, Peter Eisenberg und Gustav Seibt (jetzt Vizepräsident) bestand) wurden neu gewählt: Peter Hamm, Navid Kermani, Michael Stolleis und Jan Wagner. Joachim Kalka und Per Øhrgaard wurden wiedergewählt. Der scheidende Präsident und Amtsvorgänger von Heinrich Detering, Klaus Reichert, wurde zum Ehrenpräsidenten der Akademie gewählt.

Während am gestrigen Freitag, den 28. Oktober, also v.a. personelle Fragen auf der Tagesordnung standen, kann es am heutigen Samstag, den 29. Oktober, zum festlichen Teil der Veranstaltung kommen. Heute wird nämlich ab 16 Uhr im Staatstheater Darmstadt der 60. Georg-Büchner-Preis an den deutschen Romanschriftsteller Friedrich Christian Delius verliehen. Delius Romane sind häufig humorvolle, persönliche Porträts und Erinnerungen an große Persönlichkeiten oder Ereignisse. Sein Roman Die Minute mit Paul McCartney (2005) berichtet von einer Begegnung mit dem Beatles-Bassisten. Sein Roman Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde (1994) erinnert sich 40 Jahre zurück in der Zeit, als Deutschland zum ersten Mal die Fußballweltmeisterschaft gewann. Die Frau, für die ich den Computer erfand (2009) ist eine Hommage an Konrad Zuse, den Mann, der den ersten Computer der Welt baute. Diese liebevollen Porträts sind allein schon in formaler Hinsicht wie kleine Erinnerungsmomente; selten einmal überschreiten sie die Zahl von 200 Seiten. In ihrer Begründung zur Vergabe des Büchner-Preises an Delius schrieb die Deutsche Akademie im Mai, dass er die „Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erzählt“.

Trotz der großen Publikationsliste von Heinrich Detering, dem neuen Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, hat Detering bislang noch nicht über Delius publiziert. Möglicherweise ändert sich das bald.

(Bildnachweis: Runde Tür, von Joachim S. Müller (2009), via flickr.com. Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0.)

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