Chick Lit Romane

Was sind eigentlich „Chick Lit“-Romane? Der Begriff taucht auch in deutschen Feuilletons in den letzten Jahren immer häufiger auf und man findet ihn auf Buchdeckeln aufgedruckt. Doch was verbirgt sich hinter diesem eigenartigen Begriff? Offensichtlich kommt er aus dem Englischen (bzw. Amerikanischen). Dort bedeutet „chick“ zunächst einmal nichts anderes als „Mädchen“ oder „junge Frau“ – so wie etwa im Spanischen „chica“. Gleichzeitig schwingen in dem Begriff aber noch weitere Bedeutungen mit, etwa „selbstbewusstes Mädchen“ oder (häufiger) „attraktives Mädchen“. Letzteres kann oftmals pejorativ verwendet werden, so wie etwa das deutsche „Puppe“, wenngleich oftmals behauptet wird, dass der Begriff „chick“ wertneutral sei (siehe z.B. das – nicht immer völlig ernstzunehmende – urban dictionary). „Chick Lit“ ist also Literatur (Lit) über junge, attraktive Frauen (Chicks). Dabei stehen diese Frauen nicht selten bereits mit beiden Beinen im Leben (es handelt sich bei „Chick Lit“ also keineswegs um Bildungsromane im klassischen Sinne, die den Weg der Heldin in die Mitte der Gesellschaft kennzeichnen); „Chicks“ dieser Romane haben nicht selten bereits ihre Ausbildung hinter sich und sind in ihrem ersten Job, gelegentlich sogar recht wohlverdienend (das ist Teil des Selbstbewusstseins, dass die „Chicks“ der Romane ausmacht). Folglich stützt sich ein großer Teil der Plots auf eine quasi-realistische Lebensbeschreibung der jungen Frauen (wobei bestimmte Klischees wie Kauflust und ausgeprägtes Modebewusstsein entweder schlicht affirmiert oder gekonnt subversiert werden), sowie auf deren Liebes- und Sexualleben. Kontrastive Frauenfiguren sind daher eine innere Notwendigkeit dieser Literatur: Während eine „Chick“, meist eine enge Freundin der Heldin, ein sexuell zügelloses Dasein führt, ist die Heldin des Romans oftmals ganz traditionell auf der Suche nach der großen Liebe. Chick Lit erfüllt somit eine konservative und sozial stabilisierende Funktion, die letztlich die heterosexuelle, monogame Liebesehe (bei Gleichberechtigung beider Partner) als Idealbild moderner Lebensweise stilisiert; ein Gesellschaftsbild, das sich seit Jane Austen (für viele die Mutter aller Chick Lit-Romane) nur geringfügig weiterentwickelt hat… Dieser Artikel stellt einige Romane aus der „Chick Lit“-Kategorie vor.

Bekannte Chick Lit-Romane

Wie bereits erwähnt kommt das Chick Lit-Genre v.a. aus dem angelsächsischen Raum. Es begann v.a. in den 1990er Jahren in Großbritannien mit Romanen wie Marian Keyes Watermelon (1995; dt.: Wassermelone) und natürlich besonders mit Helen Fieldings Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück (1996), das nur wenige Jahre später sehr erfolgreich mit Renée Zellweger und Hugh Grant in den Hauptrollen verfilmt (2001) und auch von Autorin Fielding fortgesetzt wurde (Teil 2: Bridget Jones: Am Rande des Wahnsinns, 1999; Teil 3 erscheint wohl 2013, wie kürzlich bekannt gegeben wurde).

Von hier aus schwappte der Erfolg recht bald über den Atlantik in die USA, wo die US-amerikanische Journalistin und Autorin Candace Bushnell kurze Zeit darauf ihr Buch Sex and the City veröffentlichte, für das sich nur ebenfalls nur wenige Monate später HBO die Fernsehrechte erwarb und es in die weltberühmte Fernsehserie Sex and the City verwandelte – kurz: Chick Lit funktioniert ganz offensichtlich auch im Kino und im Fernsehen ausgezeichnet!

Sowohl Bushnell als auch Fielding sind beide Jahrgang 1958 und waren zur Zeit der Veröffentlichung ihrer Chick Lit-Romane also um die 40 Jahre alt. Seither haben sich viele neue Autorinnen auf dem Gebiet der Chick Lit versucht und v.a. auch viele deutlich jüngere Frauen. Die englische Chick-Lit-Autorin Sophie Kinsella war bei der Veröffentlichung des ersten Romans ihrer berühmten Shopaholic-Reihe gerade einmal 30 Jahre alt (dt.: Die Schnäppchenjägerin; 2000). Die schottische Autorin Jenny Colgan (*1972) war 28 Jahre alt, als ihr erster Chick Lit-Roman Amandas Hochzeit erschien und die Irin Cecilia Ahern (*1981) schrieb ihren Erfolgsroman P.S. Ich liebe Dich (2002) mit gerade einmal 21 Jahren, also in einem Alter, das deutlich unter dem der üblichen Chick Lit-Heldinnen liegt, die in der Regel Anfang/Mitte 30 sind.


Leserinnen und Leser von Chick Lit

Sicherlich spricht das Chick Lit-Genre v.a. ein weibliches Lesepublikum an. Die Romane handeln in der Regel von Frauen aus der Mittelschicht, um die 30, mit emotionalen Schwierigkeiten einerseits, aber einer gehörigen Portion Witz und Schläue andererseits, die versuchen, mit dem Leben im frühen 21. Jahrhundert zurecht zu kommen. Der häufige Vergleich zu den Romanen von Jane Austen rührt daher, dass der ‚Marriage Plot‘ das dominierende Handlungselement ist: Alle Chick Lit-Heldinnen versuchen in erster Linie auch, den richtigen Mann fürs Leben zu finden (und meistens finden sie ihn auch nach einigen kurzen Missverständnissen und Irrtümern irgendwann).

Doch auch die literaturwissenschaftliche Forschung setzt sich immer intensiver mit dem Phänomen der Chick Lit auseinander. So gibt es etwa an der Universität des Saarlandes am Lehrstuhl des Anglisten Prof. Dr. Joachim Frenk das so genannte „Chick Lit Project„, das sich mit der wissenschaftlichen Erforschung dieser Romane befasst. Die Projekt-Webseite ist jedem wärmstens zu empfehlen, da sie eine umfangreiche Liste zahlreicher Chick Lit-Romane enthält, sowie eine interessante Linkliste mit Webseiten, die sich auf die eine oder andere Art mit Chick Lit befassen – sowohl wissenschaftlich als auch popkulturell.

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