Booker Preis 2011: Shortlist veröffentlicht

Ende Juli schrieben wir hier bereits über die Longlist des Booker Prize 2011 und empfahlen einige Titel davon für die Sommer- und Urlaubslektüre. Nun, rund sechs Wochen später, können wir hier die Shortlist des Booker Preises bekannt geben. Diese wurde gestern, am 06. September 2011, von der Booker Preis-Jury veröffentlicht und umfasst, wie jedes Jahr, sechs Titel. Literaturen.net stellt die sechst Titel auf der Shortlist des Booker Preises 2011 vor.

Zwei Debütanten auf der Booker Shortlist 2011

  1. Julian Barnes The Sense of an Ending
  2. Patrick deWitt The Sisters Brothers
  3. Esi Edugyan Half Blood Blues
  4. Carol Birch Jamrach’s Menagerie
  5. Stephen Kelman Pigeon English
  6. A.D. Miller Snowdrops

Dass Julian Barnes seinen Weg auf die Shortlist der Jury finden würde, dürfte von Anfang an klar gewesen sein. Schließlich war Barnes schon drei Mal auf diese erlesene Liste gelangt (mit England, England; Arthur and George sowie Flaubert’s Parrot)- dies also sein vierter Auftritt auf der Booker Shortlist-Bühne. Jedoch sind mit Sebastian Barry und Alan Hollinghurst zwei Kandidaten auf dem Weg von der Long- zur Shortlist auf der Strecke geblieben, die einige als heiße Titelaspiranten wähnten: Barry, weil auch er schon mal kurzgelistet war und Hollinghurst, weil er schon einmal den Booker Prize gewonnen hat (2004 mit The Line of Beauty). Hingegen schaffte es Carol Birch zum ersten Mal von der Longlist zur Shortlist. Sie war 2003 auf die lange Liste gelangt, damals aber nicht auf die kurze gekommen.


Die Überraschung der Booker Shortlist 2011 liegt also wohl eher in der Aufnahme zweier Roman-Debütanten: A.D. Miller und Stephen Kelman. Beide erhielten für ihre jeweiligen Romane sehr positive Kritiken der britischen und -zumindest im Falle Kelmans- auch der deutschen Presse. Kelmans Roman über den 11-Jährigen Jungen Harrison Opoku, der gleichzeitig der Ich-Erzähler ist, und kürzlich aus Ghana nach England einwanderte, kommt so munter plaudernd daher, dass man die soziale Realität in der Harri lebt und die die jüngeren London Riots der Welt vor Augen geführt haben, beinahe vergisst. Doch Kelman sorgt gekonnt dafür, dass die Realität den Jungen bald einholt, als ein Freund von ihm auf offener Straße erstochen wird und den Kleinen zu eigenen, teils recht absurden Ermittlungen antreibt. Heimlicher Star des Romans bleiben aber die im Titel beschworenen Pidgin-Sprachen, die Leserinnen und Leser, die des Englischen nicht mächtig sind jedoch einige Schwierigkeiten bereiten dürften. Eine deutsche Übersetzung von Pigeon English ist jedoch schon seit Februar im Berlin Verlag erhältlich (Dt. von Clara Drechsler). Bereits jetzt wurde der Roman in 18 Länder verkauft, an seinem nächsten Roman arbeitet der junge Autor bereits. Kelmans Roman dürfte damit ein heißer Kandidat für den Booker Preis 2011 sein.

Die 34-jährige Kanadierin Esi Edugyan schaffte es mit ihrem Roman Half-Blood Blues (mit dem vielversprechenden Untertitel: „From Berlin to Paris. Two Friends. One Betrayal.“, also „Von Berlin nach Paris. Zwei Freunde. Ein Verrat“), ebenfalls auf die Shortlist, wo sie mit ihrem Schriftstellerkollegen, dem 36-jährigen Patrick deWitt (ebenfalls Kanadier), zu den zwei Nicht-Briten zählt, die auf die Shortlist gelangt sind. Edugyans Roman ist für deutsche Leser sicherlich nicht uninteressant, da er über weite Teile im Berlin der 1930er Jahre spielt. Eine deutsche Übersetzung ist wohl bereits in Arbeit.

Welche/r Autor/in der Shortlist den Booker Prize 2011 am Ende gewinnen wird, erfahren wir am Dienstag, den 18. Oktober 2011, wenn beim Dinner in der London’s Guildhall das Ergebnis bekannt gegeben wird. Bis dahin, kann man die Zeit mit Lesen verbringen. Zumindest Julian Barnes Roman „The Sense of an Ending“ als auch Stephen Kelmans Debütroman „Pigeon English“ sind lohnenswert und vielversprechende Kandidaten für den Booker 2011.

Quellennachweis: „Winner of the Man Booker Prize„, by Timothy Valentine, via flickr.com [Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0]

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Eine Antwort auf Booker Preis 2011: Shortlist veröffentlicht

  1. Yvonne sagt:

    Ergänzend zur Empfehlung von Barnes und Kelman möchte ich gerne noch hinzufügen: Auch „Jamrach’s Menagerie“ von Carol Birch ist absolut lesenswert, tolle Geschichte und wunderschön geschrieben, und hätte meiner Meinung nach den Booker Prize ebenfalls verdient. Wobei ich bisher noch nie ein Buch auf den Booker-Shortlists entdeckt habe, das mir nicht gefallen hätte…

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